Krampfadern: Erkrankung ernst nehmen

Interview mit Fachärzten von der Emma Klinik in Seligenstadt
(Nachdruck aus der Offenbach Post vom 14. Juni 2008)

Wenn die Röcke kürzer werden, sieht man sie wieder häufiger: unschöne Besenreiser und Krampfadern. „Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer und obwohl sichtbare Gefäße in allen Altersgruppen auftreten, werden sie meist um das 30. Lebensjahr entdeckt“, sagen Experten und geben den Rat: „Hervortretende Adern an den Beinen sollten nicht als kosmetisches Problem abgetan werden, da sich dahinter eine ernst zunehmende Venenerkrankung verbergen kann, die operativ behoben werden sollte.“
Je nach Ausprägung stehen dafür heutzutage unterschiedliche schonende Methoden bereit, um ein optimales kosmetisches Ergebnis für die Betroffenen zu erzielen.
Das Redaktionsmitglied der Offenbach Post Peter Schulte-Holtey sprach mit Dr. med. Detlev Debertshäuser, Dr. med. Cüneyt Arkan und Dr. med. Josef Degel, den Fachärzten für Gefäß- und Viszeralchirurgie an der Emma Klinik in Seligenstadt.

Warum sollten „Krampfadern“ nicht als rein kosmetisches Problem abgetan werden?

Dr. med. Detlev Debertshäuser: Hervortretende Adern an den Beinen können durch eine Funktionsstörung der Venenklappen verursacht werden, erst nach einer Ultraschalluntersuchung durch einen Spezialisten kann Entwarnung gegeben werden. Nur die sogenannten Besenreiser – kleine, direkt unter der Hautoberfläche liegende netz- oder fächerförmige Venen – und vereinzelte Krampfadern ohne Klappenstörung der Hauptvenen gelten als rein kosmetische Angelegenheit.

Was raten Sie Betroffenen? Womit können Sie als Arzt ein optimales kosmetisches Ergebnis erzielen?

Dr. med. Cünyet Arkan: Sind Gefäße an den Beinen sichtbar, sollte sich der Patient an einen Facharzt wenden. Durch Ultraschalluntersuchung kann dieser die Venenfluss- und Venenklappenverhältnisse in den Beinen genau dokumentieren und entsprechende Behandlungsmethoden vorschlagen. Bei allen OP-verfahren wird heutzutage auf kleinste Schnitte Wert gelegt, die oft ohne Fäden verschlossen werden können. Das ergibt ein optimales kosmetisches Ergebnis und ein späteres Ziehen der Fäden ist nicht mehr notwendig.

In welcher Situation empfehlen Sie eine Operation?


Debertshäuser: Wenn die Funktion der Venenklappen nicht gestört ist, bietet sich die Verödung einzelner Gefäße an, bei der die Venenwände miteinander verklebt werden. Sind die Hauptklappen in den Leisten aber nicht mehr funktionsfähig, sollte der Patient sich operieren lassen, um Langzeitschäden wie Schwellungen, Entzündungen und Geschwüren vorzubeugen. Da gibt es drei Methoden: beim „Stripping“ wird die größte oberflächliche Beinvene mit einer Sonde entfernt, während bei der „CHIVA-Methode die Krampfadern an den entscheidenden Stellen nur unterbunden werden. Als Drittes kommt die endovasale Laserung oder die Thermo-Sondenverödung in Betracht. Hier werden überhaupt keine größeren Hautschnitte benötigt und teilweise ist auch eine lokale Betäubung ausreichend. Alle drei Verfahren können ambulant durchgeführt werden, so dass sich der Patient in Ruhe zu Hause erholen kann.

Was müssen Patienten nach einem Eingriff beachten?

Dr. med. Josef Degel: Das Tragen von Kompressionstrümpfen ist nach einer Operation in jedem Fall angeraten, um von außen Druck auf das Gewebe des umschlossenen Beines auszuüben, damit das Venensystem entlastet wird. Wir empfehlen vierwöchiges Tragen nach Verödung und „Stripping“, nach Operation durch die CHIVA-Methode sollte die Kompression sechs Wochen dauern. Nach einer Laser- oder Thermo-Therapie ist

zwei Wochen Kompressionstherapie zu empfehlen. Da das ganztägige Tragen von Kompressionsstrümpfen im Sommer kaum zumutbar ist, empfehlen wir, eine Operation vor oder nach der warmen Jahreszeit durchführen zu lassen.


Ist es richtig, dass das Problem öfter Frauen betrifft?

Degel: Eigentlich leiden Männer und Frauen gleich häufig unter Krampfadern, lediglich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr treten sie aufgrund von Schwangerschaften bei Frauen öfter auf, daher sind sie durchschnittlich häufiger betroffen. Die Beschaffenheit ihres Bindegewebes ist ein weiterer Faktor, da das Hormon Östrogen es weicher macht. Auch die Venen sind dadurch weniger elastisch, erweitern sich eher und werden als Krampfadern oder Besenreiser sichtbar.

Vorbeugung: Gelten für beide Geschlechter die gleichen Tipps?

Arkan: Ja! Um Stauungen in den Beinen zu lindern, empfehlen wir, möglichst wenig Zeit sitzend und stehend zu verbringen, sondern sich zum Beispiel beim Laufen, Schwimmen oder Radfahren viel zu bewegen. Liegen bereits sichtbare Adern vor, sollte übermäßige Wärme (heiße Bäder, Sauna) vermieden werden, während kaltes Abduschen und anschließendes Hochlegen der Beine von Schwellungen befreien kann. Wer trotzdem häufig unter schweren Beinen, Spannungsgefühl und Knöchelschwellungen nach längerem Stehen leidet, sollte einen Facharzt aufsuchen.

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